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Bewegung in stockenden Baugesuchsprozessen

23. Februar 2026 – Dürfen Bauern noch Bauen? Die Frage bewegt die Landwirtschaft. Marlis Krummenacher begrüsste als Präsidentin der Mitte-Landwirtschaftskommission am 23. Februar über 150 Bäuerinnen und Bauern im Restaurant Roter Löwen in Hildisrieden. Patrick Hafner und Roland Emmenegger von der Dienststelle Raum und Wirtschaft (DS rawi) sowie Markus Kretz vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauerverband (LBV) standen Red und Antwort. Die Diskussion unter der Moderation von Hanspeter Renggli zeigte viel Unverständnis gegenüber der Detailversessenheit und Sistierungspraxis der Verwaltung.

Patrick Hafner ist neuer Leiter der DS rawi, welche Baubewilligungsprozesse auf kantonaler Ebene verantwortet. Bei diesem Verfahren seien aber bis zu 40 kantonale Fachstellen einbezogen, relativierte Hafner. Weil immer mehr Ansprüche und Bedürfnisse an das Bauen gestellt würden, seien über Jahre die Beurteilungskriterien umfangreicher und der Prozess komplexer geworden. Hafner bestätigte in seinem Referat, dass heute ein beachtlicher Teil der Baugesuche sistiert werde. Dies solle sich nun jedoch durch eine Reform des Gesuchsprozesses ändern. Eine erste formelle Prüfung soll künftig durch künstliche Intelligenz erfolgen, damit Gesuche bereits bei der Baueingabe vervollständigt werden. Die neue Software werde auch eine transparente Information der Bauherrschaft zum Prozessstand sicherstellen. Ziel ist gemäss Patrick Hafner ebenfalls, dass in Zukunft ein Angebot zur Begleitung der Bauherrschaft beim gesamten Prozess geschaffen wird.

Im Anschluss stellte Roland Emmenegger, ebenfalls von der DS rawi, die wichtigsten Änderungen aufgrund des neuen Raumplanungsgesetzes vor. Dieses bringe weitere Herausforderungen wie die Begrenzung der Gebäudezahl ausserhalb der Bauzone. Es bringe aber auch eine Klärung der Rechtssituation durch klare Regelung der kantonalen Zuständigkeiten und der Beurteilung der Zonenkonformität von Tierhaltungsbetrieben.

Markus Kretz eröffnete sein Referat mit dem vom LBV erhobenen Sorgenbarometer. Gut 50% der Luzerner Bäuerinnen und Bauern gaben an, dass die zunehmenden Herausforderungen rund ums Bauen ihre Hauptsorge sind. Kretz führte dies darauf zurück, dass immer weniger und grössere Landwirtschaftsbetriebe im dichter besiedelten Raum Lebensmittel produzieren. Der LBV kenne zahlreiche Einzelfälle, in denen Investitionen ohne Aufstockung des Tierbestandes zur Verbesserung des Tierwohls, zur Erfüllung von Hygieneauflagen oder zur Senkung von Emissionen heute aufgrund nicht verständlicher Detailbestimmungen nicht bewilligungsfähig seien. Das neue Raumplanungsgesetz sei ein Hoffnungsschimmer, nun brauche es eine schnelle Umsetzung beispielsweise von Lärm- und Geruchs-Überlagerungszonen auf Gemeindeebene oder der leichteren Beurteilung der Zonenkonformität. Ebenfalls soll die Interessensabwägung zwischen den Dienststellen rawi, lawa und uwe durch einen neuen gemeinsamen Koordinationsprozess verbessert werden, damit hier gemeinsam Lösungen für den Einzelfall gefunden werden.

Zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum machten deutlich, dass in Teilen der Luzerner Landwirtschaft Unzufriedenheit und Frust besteht. Insbesondere wurde kritisiert, dass im baurechtlichen Vollzug auch nicht bewilligte Kleinstanlagen wie Gartenplatten und Kinderspielplätzen hinterfragt werden. Zudem wurde vereinzelt der Eindruck geäussert, dass die Beurteilungen durch die zuständigen Dienststellen unterschiedlich ausfallen.

Die Veranstaltung der Mitte-Landwirtschaftskommission zeigte, das Bauen ausserhalb der Bauzone braucht klare Regeln, aber keine Überregulation die Fortschritte beim Tierwohl, dem Emmissionsschutz und der Ressourceneffizenz  blockiert.

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